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Meine
Eltern
Ohne meine Eltern wäre ich heute nicht der, der ich bin.
Ich verdanke ihnen so viel!
Denn nur, weil sie mich nie aufgegeben und immer mit mir
gehofft und gekämpft haben, konnte sich mein Leben so positiv entwickeln.
Hier einige Aussagen meiner Eltern, wie sie die Zeit meiner
Erkrankung 1958 und den Weg in mein heutiges, selbstbestimmtes Leben erlebt
haben:
Vater Ferdinand:
Ein kerngesundes Buberl war er, ein zorniger.
Als das mit der Kinderlähmung passiert ist war ich in, hm,
wie hat das geheißen, also zwischen Ulm und Bodensee, ist ja egal. Da bin ich
angerufen worden, dass der Bub krank ist, also dass er Kinderlähmung hat.
Ich bin dann sofort heimgefahren, meine Frau war ja in
Berchtesgaden auf Kur. Dann bin ich – es war ja abends - am anderen Tag gleich
ins Krankenhaus. Man hat ja nicht rein dürfen ins Zimmer, ich hab ihn nur von
einer Scheibe aus gesehen, wie er da drin gelegen ist. Ja das, das war
furchtbar. Es hat ja ewig lange gedauert, bis ich es überhaupt fassen konnte,
dass er halt total gelähmt ist und alles…
Wir haben ja gar nicht gewusst, was Kinderlähmung heißt,
was das ist. Wir haben das auch gar nicht glauben können und immer noch Hoffnung
gehabt, es wendet sich zum Guten. Bis wir es dann richtig erfasst haben, das war
natürlich ein Riesen-Schock.
Wenn ich mich zurück erinnere, nein – ich will mich gar
nicht mehr erinnern.
Es war eine Katastrophe, wie er da hilflos drin gelegen ist
in dieser Lunge... Bis sie dann endlich mit der Wahrheit rausgerückt sind, sie
haben ihm noch 1 oder höchstens 2 Jahre gegeben. Ich habs nicht glauben können.
Das hat Jahre gedauert, Jahre...

Ich meine, man muss sich abfinden damit, wenns auch ganz
ganz schwer ist.
Mutter Rita:
Ja, und die Frau Dr. Liehl hat uns sehr wenig Hoffnung
gemacht. Sie hat gemeint, so zwei Jahre, also mehr gibt sie ihm nicht.
Naja, wir haben das immer ein bisserl verdrängt, weil wir
uns gesagt haben, na gut, es ist so, man muss es so nehmen wie es jetzt ist.
Er hat sich aber tapfer soweit gehalten, er hat mit eigener
Initiative die Selbstbeatmung, also dass er selber schnaufen kann, gelernt. Also
er hat schon auch dazu getan. Wir haben ihm immer gut zugeredet, dass er
wenigstens aus dieser Lunge rauskommt, und es ging dann so minutenweise an...
Durch die Jahre im Krankenhaus ist er doch ein bisschen
verhätschelt worden, und als ich ihn dann zuhause gehabt hatte, hat sich da
vieles geändert. Und das hat er eigentlich auch gebraucht. Ich hab halt nicht so
lange rumgefaxt, ich bin ins Zimmer rein, hab gesagt „Guten Morgen,
Aufsteh-Zeit!“ , die Lunge aufgemacht – und im Krankenhaus ist es halt so
gemacht worden, dass sie ein bisserl vorbereitet worden sind: „Bist schon wach?
Willst jetzt raus? Sollen wir dich waschen?“ und so, und das hab halt ich von
Anfang an gar nicht gemacht. Er hat ja dann in die Schule gehen müssen und da
wär das gar nicht gegangen, dass man da so rumtätschelt und rum macht.
Ich habe ihn so erzogen, wie ich jedes „normale Kind“ auch
erzogen hätte. Ob er jetzt behindert ist oder nicht, ich hab mir halt gedacht,
man muss das so machen, weil er ja selber mal im Leben stehen muss. Und
vorbereiten drauf, dass er einfach einmal selbständig wird. Weil – wir leben
auch nicht ewig, man weiß ja nicht wie's kommt, und wenn von uns heute mal einer
geht, oder beide, und er ist noch da, dann weiß er halt, was er machen muss.
Vater Ferdinand:
Man hat ihm zu wenig zugetraut, aufgrund seiner
Behinderung...
Einwurf Mutter Rita: Ja, du! Du musst schon bei der
Wahrheit bleiben.
Vater Ferdinand:
Vor allen Dingen ich, ja!
Ich habe mir halt so viele Sorgen gemacht, dass was
passiert im Verkehr und alles. Aber es hat sich alles zum Guten gewendet. Und
heute gehört der Rollstuhl halt dazu, das ist sein Leben.
Es hast sich ja die ganzen Jahre hingezogen: er möchte
selbständig werden und so.
Heute versteh ich das natürlich wesentlich besser als
damals. Damals haben wir halt immer geglaubt, was ist er denn ohne uns? Ohne uns
kann er doch gar nicht sein. Aber er hat es uns sauber bewiesen! Allen Respekt!
Dr. Liehl:
Der Ferdi kam 1958. Er war natürlich unter anderen, aber er
musste sehr schnell in die Lunge, weil es bei ihm eine ganz schnell
aufsteigenden Lähmung war und man schon die Atemlähmung merkte. Er musste also
gleich in die Lunge und war auf lange Sicht da drin. Es hat bei ihm fast 1 Jahre
gedauert, bis wir ihn wieder rausbrachten. Immer nur kleine Zwischenfälle, wo
wir versucht haben, ihn rauszukriegen, aber mit dem atmen mussten wir arbeiten,
mit kleinen Tricks. So ein Stofftier, ein Affenmännchen hab ich immer zur
Unterhaltung dabeigehabt und da hat er für einen Moment besser geschnauft, aber
dann hat er aus Angst wieder vergessen zu atmen. Erst nach 1 Jahren konnten wir
es mal auf dem Schaukelbett versuchen und ihn für längere Zeit aus der Lunge
rausnehmen.
Es war schon so was wie eine Familie hier im Karnkenhaus,
das kann man wirklich sagen.
Wir haben einfach alle zusammengehört.
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