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Änderung der Beatmung ab Dezember 2004
Ich wollte es nicht glauben, dass mit mir etwas nicht in Ordnung sein sollte,
doch meine Freunde sagten mir immer wieder, es sei nicht normal, dass ich so oft
müde und schlapp wirkte. Bei Autofahrten, beim Fernsehen oder Lesen fiel ich
immer öfter in einen sogenannten Sekundenschlaf, was für mich sehr gefährlich
war, da ich beim Schlafen zu atmen aufhöre. Die kleinsten Anstrengungen
ermüdeten mich enorm, Unternehmungen mit Freunden hielt ich nicht mehr lange
durch, wohl fühlte ich mich nur noch in „meiner Lunge“, also in meinem mich
beatmenden Bett. Nach langem Verdrängen meinerseits und gleichzeitigem Drängen
meiner Mitmenschen machte ich endlich einen Termin beim Arzt aus. Dieser stellte
fest, dass meine Blutwerte total am Boden waren. Der Stickstoffgehalt war viel
zu hoch, der Sauerstoffgehalt entsprechend viel zu wenig. Das musste wohl oder
übel an der Beatmung liegen. In der Lungenklinik, in die ich sofort eingewiesen
wurde, erklärte man mir mit sehr deutlichen Worten, dass meine gute alte eiserne
Lunge mich nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgte. Für mich war dies eine
sehr harte und brutale Diagnose. Ich wollte und konnte es einfach nicht glauben,
dass dieses Beatmungsgerät, das mich von klein auf begleitet und mir so gute
Dienste erwiesen hatte, plötzlich nicht mehr gut für mich sein sollte. Doch der
Arzt sagte mir, es sei höchste Zeit, mich auf eine andere Art der Beatmung
umstellen zu lassen, ansonsten würde ich in nicht allzu ferner Zeit einfach
einschlafen und nie wieder aufwachen. 
Dieses Argument war sehr überzeugend. Auf die Frage, welche Möglichkeiten es für
mich gibt, meinte er, entweder einen Luftröhrenschnitt oder eine Beatmungsmaske.
Ersteres lehnte ich entschieden ab, denn ein Loch im Hals wollte ich nur, wenn
gar nichts anderes mehr helfen sollte. Doch auch bei dem Gedanken,
meine Beatmung einem ganz neuen, für mich fremden Gerät zu überlassen, machte
mich nervös. Ich konnte mich lange nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass
irgendetwas anderes als meine eiserne Lunge für mich Sinn haben könnte. Doch
einfach einschlafen und nie wieder aufwachen, das wollte ich keinesfalls. Also
erklärte ich mich bereit, es mal mit der Atemmaske zu versuchen und sofort, als
hätten sie nur auf ein Zeichen gewartet, kamen zwei Krankenschwestern mit allen
möglichen Beatmungsgeräten herein. Einige Masken wurden mir nacheinander auf die
Nase gedrückt, bis eine passende gefunden wurde, mit der ich den ersten Versuch
starten konnte. Jetzt musste noch die richtige Maschine für mich gefunden
werden. Bei der ersten konnte ich schon nach einigen Atemzügen sagen, dass es
damit nicht klappen würde, aber beim dritten Gerät hatte ich das Gefühl, es eine
Weile versuchen zu können. Die darauf folgende Nacht wurde für mich zur
Katastrophe.
Ich ließ mich auf das für mich ungewohnte Bett legen, wurde an verschiedene
Messgeräte angeschlossen und die Maske, durch einen Schlauch mit dem
ausgewählten Atemgerät verbunden, wurde mit 2 Gummibändern um den Kopf herum
fest an die Nase gepresst. Ich versuchte, mich an den Rhythmus der neuen
Maschine zu gewöhnen. Es war irgendwie komisch, die Luft in die Nase gepresst zu
bekommen, ganz anders, als das beinahe natürliche Ein- und Ausatmen in der
eisernen Lunge. Doch wenn ich mich bemühte, mich nicht dagegen zu wehren, merkte
ich, dass die geballte Luft meinem Körper gut tat und ich fühlte förmlich, wie
ich kräftiger zu werden schien. Aber beim Einschlafen kam die Angst, das
Unterbewusstsein vermisste den Takt meiner alten Lunge und ich glaubte, ich
könnte jeden Moment aus dem Bett fallen. Nach einer Stunde rief ich meinen
Helfer und ließ mich in die so einladend bereit stehende eiserne Lunge legen, um
endlich zu schlafen.
Ich übte stundenweise weiter, auch tagsüber. Meine Blutwerte besserten sich
deutlich, was mir Mut machte. In der dritten Nacht im Krankenhaus schaffte ich
es, mit dem Atemgerät eine Weile durchzuschlafen und durfte nach Hause.
Hier wartete ein kleiner Lichtblick auf mich. Denn es war mir nie vergönnt
gewesen, Arm in Arm oder Hand in Hand mit meiner Freundin einzuschlafen. Ich lag
ja immer eingesperrt in der eisernen Lunge. Nun konnte ich neben ihr im Bett
schlafen, was ein sehr großer Anreiz war, mich an die neue Methode zu gewöhnen.
Aber nach über 40 Jahren in einem normalen Bett zu schlafen, ohne schützende
Wände drumherum, war enorm schwierig. Immer wieder wurde ich wach, weil ich
dachte, der Deckel der Lunge sei nicht zu oder glaubte, keine Luft zu bekommen.
Ich wusste, dass alles nur Einbildung war, aber ich konnte einfach nicht
verhindern, dass ich immer wieder nach Luft schnappend und panisch aufwachte.
Die Nächte wurden zur Qual, durchschlafen war weder für mich noch für meine
Freundin möglich. Einige Male habe ich energisch und zornig von ihr verlangt,
sie solle mich endlich wieder in die Lunge legen, ich hätte einfach keinen Bock
mehr auf den ganzen Mist. Aber sie lehnte es schlicht und einfach ab: „Das mach
ich nicht, du schaffst das schon!“
Bis eines Nachts, als ich wieder aufschreckte, Karin aufstand, mir wie immer
beteuerte, es sei alles in Ordnung, sich einen Stuhl ans Bett schob, sich
hinsetzte und meine Hand nahm. Sonst nichts.
„Was machst du denn jetzt?“ fragte ich irritiert.
„Ich bleibe jetzt hier sitzen und halte deine Hand, bis du endlich fest
einschläfst – und wenn ich die ganze Nacht hier sitze!“ erklärte sie zwar in
sehr freundlichem, aber auch sehr bestimmten Ton. Ich wusste, sie würde
tatsächlich stundenlang hier sitzen, ohne zu schlafen. Das wollte und konnte ich
ihr nicht antun und von dieser Nacht an wurde es immer besser.
Heute bin ich „fit wie ein Turnschuh“, schlafe nachts fest und ausgiebig und bin
tagsüber genauso ausgiebig wach und aktiv. Die Ära „eiserne Lunge“ ist
Vergangenheit…

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