Ferdinand Schießl
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Ein selbstbestimmtes Leben ist für die meisten erwachsenen Menschen selbstverständlich.
Denn sie bestimmen selbst,
wo, wie und mit wem sie leben möchten,
wann und was sie essen und trinken wollen
und wie sie ihre Freizeit gestalten wollen
(natürlich jeweils der finanziellen Lage angemessen).

Niemand schreibt ihnen vor, wo sie zu leben haben:
In der Stadt oder auf dem Land,
in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung oder in einem geräumigen Eigenheim.

Ein erwachsener Mensch entscheidet das selbst, zusammen mit einem Partner oder alleine.
Es gibt kein Gesetz, das ihn zwingen könnte, sein Leben an einem bestimmten Ort und in einem bestimmten Rythmus zu verbringen.

Aber es gibt leider auch heute noch viele erwachsene Menschen, die gezwungen werden, an einem bestimmten Ort zu leben:
Alte Menschen kommen ins Seniorenheim,

Das muss nicht sein.

Auch alte, pflegebedürftige und behinderte Menschen sind in der Lage, ein menschenwürdiges, selbstbestimmtes Leben zu leben, und das darf ihnen nicht verwehrt werden.

Selbstbestimmt leben heißt, selbst zu entscheiden, wo und mit wem ich leben möchte.
Selbstbestimmt leben heißt, selbst zu entscheiden, wer mich anfassen darf.
Selbstbestimmt leben heißt, selbst zu entscheiden, wann ich was essen oder trinken möchte.
Selbstbestimmt leben heißt, selbst zu entscheiden, wie und wo ich meine Freizeit verbringen möchte.

Das „Zauberwort“ für die Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens alter, pflegebedürftiger und behinderter Menschen heißt:

Pesönliche Assistenz

Ein Heim kostet immens viel Geld.
Es wird jedoch bezuschusst vom Staat, also von den Steuerzahlern, und die Heimbetreiber verdienen an den alten, pflegebedürftigen und behinderten Menschen.

Der alte, pflegebedürftige oder behinderte Mensch jedoch muss sich mit einem Minimum an Menschenwürde begnügen:

Auf die Toilette gehen ist nur möglich, wenn das Personal Zeit hat.
Für ein entspannendes Bad ist keine Zeit, duschen reicht!
Begleitung für ein Konzert, eine Sportveranstaltung oder Kino etc. ist nur nach langer Voranmeldung zu bekommen...

Persönliche Assistenz kostet auch viel Geld.

Aber der alte, pflegebedürftige oder behinderte Mensch kann weiterhin menschenwürdig leben. Denn er fungiert als Arbeitgeber, was bedeutet, dass er selbst sich die Leute aussucht, die für ihn das tun, wozu er selbst nicht mehr in der Lage ist:

Er lebt da, wo er leben möchte,
er isst und trinkt das, was er essen und trinken möchte,
er tut in seiner Freizeit das, was er tun möchte.
Er ist kein Bittsteller mehr, sondern ein freier, erwachsener und selbständiger Bürger.

Und er schafft Arbeitsplätze, die ganz normal versteuert werden und somit dem Staat dienen.

Ein persönlicher Assistent arbeitet für einen Menschen.
Er kann sich ganz und gar auf diesen Menschen konzentrieren und für ihn da sein.
Bei 24 Stunden Assistenz pro Tag sind das 720 – 744 Arbeitsstunden,
also ca. 5 Arbeitsplätze a 40 Stunden pro Woche pro Assistenznehmer.

Laut einer Statistik leben ca. 8,6 Millionen behinderte Menschen in Deutschland.
Das würde bedeuten, dass durch persönliche Assistenz allein bei behinderten Menschen mit durchschnittlich 12 Stunden Assistenz pro Tag ca. 22 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden könnten, die einerseits den Assisstenznehmern ein menschenwürdes Leben, andererseits den Assistenzgebern eine befriedigende Tätigkeit bieten würden.

Ein Pfleger in einem Senioren- oder Behindertenheim muss in Rekordzeit ca. 20 Menschen (wohl eher mehr) „abarbeiten“. Ich wage zu bezweifeln, dass das Personal mit der Situation zufrieden ist.

Der VbA Selbstbestimmt Leben e.V. (Verbund behinderter ArbeitgeberInnen) hat sich darauf spezialisiert, behinderten Menschen zu helfen, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.
Der Arbeitsschwerpunkt liegt darin, Menschen mit Behinderung in München bei der Planung und Durchführung eines selbstbestimmten Leben zu beraten.
Menschen mit Behinderung haben durch ein selbstbestimmtes Leben die Möglichkeit, ihre Assistenten selbst auszuwählen, einzustellen und anzulernen. Dadurch werden Menschen mit Behinderung zu Arbeitgebern.

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